Korrigieren gehört zu den zeitintensivsten Aufgaben im Lehrerberuf. Viele Lehrkräfte verbringen Stunden außerhalb des Unterrichts damit, Klassenarbeiten, Hausaufgaben oder Aufsätze zu bewerten. Diese „unsichtbare“ Arbeitszeit wirkt sich stark auf die Lebensqualität aus. Doch wie viel Zeit investieren Lehrkräfte eigentlich wirklich – und wie kann man sie reduzieren?
Wie viel Zeit verbringen Lehrkräfte mit Korrekturen?
Durchschnittliche Arbeitszeit
Studien zeigen, dass Lehrerinnen und Lehrer regelmäßig weit über ihren offiziellen Deputaten arbeiten – mit einem großen Anteil an Korrektur- und Bewertungsarbeit.
Eine Umfrage von anteach.com zeigt, dass Lehrkräfte im Schnitt zwischen 5 und 15 Stunden pro Woche mit Korrekturen beschäftigt sind, abhängig von Fach, Schulform und Aufgabenart.
Besonders intensiv wird die Zeit während der Abiturkorrekturen. Laut einer Befragung der GEW Hessen fallen innerhalb weniger Wochen oft mehr als 40 Stunden zusätzliche Arbeitszeit ausschließlich für Korrekturen an.
Zusätzlich kommen selbstverständlich noch die regelmäßige Vor- und Nachbereitung des Unterrichts hinzu, sodass Arbeitszeiten von 50 bis 60 Stunden pro Woche keine Ausnahme sind. Fraglich ist, ob sich diese Arbeitszeit in der Vergütung widerspiegelt.
Aber warum ist Korrektur so zeitintensiv?
Wenn wir uns die wichtigsten Faktoren anschauen, die Korrekturen so zeitaufwendig machen, können wir gezielt an den Stellschrauben drehen, um Korrekturzeiten zu optimieren und zu reduzieren. Drei Faktoren stechen dabei besonders hervor:
Vielfalt der Aufgabenformate: Multiple-Choice-Aufgaben sind schnell bewertet, offene Essays benötigen hingegen ausführliche Rückmeldungen. Je komplexer die Aufgaben, desto mehr Abwägung ist nötig, um die Leistung fair zu beurteilen. Das führt dazu, dass Fächer wie Deutsch, Geschichte oder Fremdsprachen deutlich mehr Zeit beanspruchen als naturwissenschaftliche Fächer.
Qualität vor Schnelligkeit: Lehrkräfte wollen nicht nur Punkte vergeben, sondern auch hilfreiches Feedback geben. Diese Rückmeldungen sollen die Schülerinnen beim Lernen unterstützen. Wer jedoch jedes Detail kommentiert, investiert viel Zeit, ohne dass der Lerneffekt proportional steigt.
Manuelle Prozesse: Handschriftliche Arbeiten, Ausdrucke oder umfangreiche Klassenarbeiten müssen sortiert, gelesen und kommentiert werden. Ohne digitale Unterstützung wiederholt sich vieles: gleiche Fehlerkorrekturen und ähnliche Kommentare müssen 20- bis 30-mal formuliert werden. Nicht umsonst bezeichnen Lehrerinnen den Stapel Klassenarbeiten gerne als ihre „Bügelwäsche“.
Praktische Strategien zur Minimierung von Korrekturzeiten
Damit Korrekturen nicht zur Belastung werden und mehr Zeit für Unterrichtsqualität und Erholung bleibt, helfen bewährte Strategien:
Klare Erwartungshorizonte und Rubrics verwenden
Definierte Bewertungsraster reduzieren subjektive Entscheidungen und beschleunigen die Beurteilung. Sie legen fest, welche Leistungen wie bewertet werden, und erleichtern eine konsistente Punktevergabe. Für die Schüler*innen schafft das Transparenz und erhöht die Akzeptanz der Note.
Tipp: Erstelle dir einen klaren Erwartungshorizont und halte dich konsequent daran. Du wirst merken, dass du selbst längere Aufgaben im Fließtext deutlich schneller bewerten kannst.
Digitale Tools effizient nutzen
Mit Lernplattformen oder digitalen Korrekturhilfen lassen sich Aufgaben automatisiert bewerten oder mithilfe von Textbausteinen kommentieren. So können wiederkehrende Fehler schnell markiert und Standardrückmeldungen effizient eingesetzt werden.
Tipp: Censurio bietet beispielsweise ein KI-gestütztes Tool zur Bewertung von Tests und Klassenarbeiten. Je klarer der hinterlegte Erwartungshorizont ist, desto selbstständiger kann Censurio die Bewertung übernehmen. Im Idealfall reduziert sich die Korrekturzeit eines Vokabeltests von ein bis zwei Stunden auf wenige Minuten – wenn nicht sogar Sekunden.
Stapelweise korrigieren statt alles am Stück
Wenn du immer gleiche Aufgaben nacheinander bewertest, macht sich seiner Fähigkeit der Mustererkennung zunutze. Nach den ersten Arbeiten stellt sich meist ein gesunder Automatismus ein, der dir hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und schneller zum Kern der Korrektur zu kommen. Jede Aufgabenart hat ihre eigene Bewertungslogik. Wenn du ständig zwischen verschiedenen Formaten wechselst, brauchst du länger, um in deinen Korrektur-"Flow" zu kommen.
Tipp: Korrigiere zunächst Aufgabe 1 bei allen Schüler*innen, dann Aufgabe 2 usw.
Die Pomodoro-Technik nutzen
Eine besonders einfache und zugleich wirkungsvolle Methode zur Reduktion von Korrekturzeiten ist die Pomodoro-Technik. Dabei wird die Arbeit in feste, kurze Zeitintervalle unterteilt, klassischerweise 25 Minuten konzentrierte Arbeit, gefolgt von 5 Minuten Pause. Nach vier solcher Einheiten wird eine längere Pause eingelegt.
Viele Lehrkräfte berichten, dass sie mit dieser Methode konsequenter, gleichmäßiger und insgesamt schneller korrigieren. Zudem sinkt die Hemmschwelle, mit dem Korrigieren zu beginnen: 25 Minuten wirken überschaubarer als ein ganzer Korrekturstapel.
Tipp: Stelle deinen Timer auf 25 Minuten und korrigiere ohne Ablenkung. Du wirst merken, dass du schneller, konzentrierter und weniger frustriert arbeitest.
Zeitlimits setzen
Die (mit einer Portion Ironie zu genießende) Parkinson’sche Regel besagt, dass eine Aufgabe immer genauso viel Zeit beansprucht, wie ihr zur Verfügung gestellt wird. Hast du zwei Wochen Zeit, einen Vokabeltest zu korrigieren, dauert es oft auch genau zwei Wochen. Ein Kalender und ein Timer helfen, nicht unnötig in Details zu versinken. Ohne zeitliche Begrenzung neigt man dazu, jede Kleinigkeit zu kommentieren, was den Aufwand massiv erhöht.
Tipp: Setze dir eine feste Frist für die Korrektur. Selbst wenn du sie knapp verfehlst, wirst du deutlich effizienter arbeiten als ohne Zeitrahmen.
Fazit
Korrekturzeiten sind ein wesentlicher Bestandteil der Arbeitsbelastung von Lehrkräften und werden häufig unterschätzt. Studien zeigen, dass sie mehrere Stunden pro Woche einnehmen und in Prüfungsphasen sogar extreme Ausmaße annehmen können. Die Ursachen liegen vor allem in komplexen Aufgabenformaten, hohem Qualitätsanspruch und manuellen Arbeitsprozessen.
Mit klaren Erwartungshorizonten, dem gezielten Einsatz digitaler Tools, stapelweisem Korrigieren, der Pomodoro-Technik und festen Zeitlimits lassen sich Korrekturzeiten jedoch deutlich reduzieren. Wer seine Bewertungsprozesse bewusst strukturiert, gewinnt nicht nur wertvolle Zeit, sondern schützt auch die eigene Gesundheit und schafft Raum für das, was im Schulalltag oft zu kurz kommt: guten Unterricht und echte Erholung.